AG Forderungen intern

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Inhaltsverzeichnis


Hallo bei der AG Forderungen intern!

Der Forderungskatalog ist mittlerweile in seiner dritten Auflage verteilt worden. Mit einer Reihe unserer Forderungen wurde sich - von Seiten des Präsidiums und des Akademischen Senats - auseinandergesetzt, wenige hingegen wurden bisher tatsächlich umgesetzt. (Der sntsprechende AS-Beschluss bzw. ggf. die Zusicherung des Präsidiums ist hinter der jeweiligen Forderung eingefüt. Eine Übersicht über alle AS-Beschlüsse findet Ihr hier.)
An der vorliegenden Version wird es voraussichtlich in der nächsten Zeit keine Änderungen mehr geben - dennoch ist eine langfristige Mitarbeit notwendig.
Ganz besonders weichtig ist es aber, den Forderungskatalog in Erinnerung zu bringen oder überhaupt erst bekannt zu machen. Denn er stellt in weiten Teilen (!) einen wichtigen Konsens darüber dar, welche Veränderungen wir an unserer eigenen Universität bewirken wollen.

Vielen Dank für eure bisherige Mitarbeit! Die Kommentare von euch mit Anmerkungen von uns findet ihr hier hinter dem Forderungskatalog. Ihr seid weiterhin herzlich eingeladen uns Kommentare an unsere Mailadresse(n) zu schicken oder sie direkt unter den Kommentaren zu hinterlassen!


[Bearbeiten] KONTAKT

forderungen.hu[at]yahoo.de

unsere.hu_forderungen_hu[at]gmx.de

[Bearbeiten] MATERIALIEN




[Bearbeiten] FORDERUNGEN DER PROTESTTEILNEHMER_INNEN AN DIE HU


Präambel
Bereits im letzten Sommer protestierten Studierende gemeinsam mit Schüler_innen, Professor_innen, Lehrer_innen und Beschäftigten im Bildungswesen gegen das derzeitige Bildungssystem. Die Studierenden, die die Situation an den Hochschulen nicht mehr hinnehmen konnten und wollten, forderten die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen, die soziale Öffnung sowie die Demokratisierung der Hochschulen und schließlich die Abschaffung von Bachelor und Master in ihrer derzeitigen Form.
Im Oktober 2009 begann, ausgehend von Hochschulen in Österreich, eine weitere Protestwelle, die sich besonders anschaulich in der Besetzung von Hörsälen wie auch in den Protesten gegen die Hochschulrektor_innen- und gegen die Kultusminister_innenkonferenz zeigte. Auch an der Humboldt-Universität besetzten Studierende ihren größten Hörsaal. Hier wurde u.a. der vorliegende Forderungskatalog erarbeitet, der auf konkrete Maßnahmen an unserer Universität zielt. Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die meisten unserer konkreten Forderungen – mit gutem Willen – in kurzer Zeit zu erfüllen sein sollten. Darüber hinaus schließen wir uns weiterhin oben genannten bundesweiten Forderungen an, die sich allesamt in Einzelheiten in unserem Katalog widerspiegeln.
Wir solidarisieren uns mit allen protestierenden Schüler_innen und Studierenden sowie mit an der Universität beschäftigten Dienstleistenden, die sich gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen auflehnen. Es ist Teil unserer Verantwortung, dass alle Menschen, die an unserer Universität arbeiten, dies unter würdigen Bedingungen und mit angemessener Bezahlung tun.
Wir hoffen darauf, uns mit all jenen, die unsere Ziele teilen – mit prekär Beschäftigten, mit Lehrenden aus dem Mittelbau und der Professor_innenschaft sowie mit sonstigen Mitarbeiter_innen –, gemeinsam für eine wirklich bessere, gerechtere, zur kritischen Reflexion befähigende und am Gemeinwohl orientierte Bildung zu kämpfen.
Es liegt nun hiermit eine dritte umfassende Version des Forderungskataloges vor, der nach dem vergangenen Wintersemester mit Anmerkungen versehen und in seiner Gliederung geringfügig überarbeitet wurde. Die enthaltenen Forderungen wurden am 06.01.2010 in der studentischen Vollversammlung mehrheitlich angenommen.

Berlin am 7. Juni 2010


[Bearbeiten] 1. Gleichstellung und Gleichbehandlung

Die soziale Realität ist ein täglicher Aushandlungsprozess. Jeden Tag verfestigen sich tradierte Handlungsmuster mit abwertendem und ausschließendem Charakter. Progressives Denken und Handeln kann nur ein integratives Denken und Handeln sein, das alle Menschen in ihrer Vielfalt berücksichtigt. Aus diesem Grund müssen wir uns konsequent darum bemühen, Diskriminierungen in all ihren Ausprägungen bewusst zu verhindern und zu beseitigen. Alle Menschen sind in ihrer Vielfalt gleich und dürfen nicht aufgrund ihrer Rasse, ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder ihrer sexuellen Identität Benachteiligungen erfahren.
Eine normative Gleichstellung und Gleichbehandlung wird faktisch ständig unterlaufen. Auch die Universität als Institution wirkt diskriminierend, da sie weder für alle gleichermaßen geöffnet ist noch allen Menschen die gleichen Chancen zur persönlichen und beruflichen Entwicklung bietet.

1.1. offene Auseinandersetzung mit und aktiver Einsatz gegen jedwede Form von Diskriminierung, insbesondere
1.1.1. Rassismus
1.1.2. Faschismus
1.1.3. Antisemitismus
1.1.4. (Hetero-) Sexismus
1.1.5. Diskriminierung von Menschen mit geistigen und körperlichen Einschränkungen
1.2. barrierefreies Studieren, Lehren und Lernen durch die Verfügbarkeit von Dolmetscher_innen zur Übersetzung in Gebärdensprache sowie infrastrukturelle Maßnahmen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen

  • AS 38/2010

1.3. Förderung von Migrant_innen in allen Arbeitsbereichen der Universität und auf allen Ebenen

  • AS 37/2010


[Bearbeiten] 2. Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen durch Überarbeitung von Studien- und Prüfungsordnungen

Wir setzen uns ein für ein selbstbestimmtes Studium, das hinreichend Raum für eigenes kritisches und kreatives Denken bietet. Damit wenden wir uns ganz besonders gegen die Einführung von Bachelor und Master in der Form, wie sie in Deutschland erfolgt ist. In der derzeitigen Form sehen wir diese Einführung als missraten an. Das Bachelorstudium ist gekennzeichet durch Verschulung, unverhältnismäßig hohe Arbeitsbelastung, starken Leistungs- und Konkurrenzdruck sowie Dauerüberprüfung. Daher fordern wir eine grundlegende Überarbeitung aller Bachelor- und Master-Studiengänge, um eine bessere Studierbarkeit zu gewährleisten.
Im Einzelnen fordern wir:

2.1. Die tatsächliche Durchführung der Überarbeitung der Bachelor- und Master-Studienordnungen, wie sie in der AS-Sitzung vom 23.06.2009 (Vorlage 118/2009) beschlossen wurde, sowie die öffentliche Bekanntmachung der bisherigen Fortschritte im entsprechenden Prozess.
2.1.1. Reduktion des wöchentlichen Workloads
2.1.2. Einführung eines Moduls „Wahlfreiheit“ („studium generale“) in allen Studiengängen
2.1.3. mehr Flexibilität innerhalb der Module und zwischen ihnen
2.1.4. die Möglichkeit, nicht alle Prüfungsnoten in die Abschlussnote einbringen zu müssen

  • AS 57/2010 (Empfehlung)
  • Überarbeitung der Musterstudienordnung in der LSK der HU verläuft schleppend
  • derzeit bereits Überarbeitungen der Studienordnungen für Philosophie, Geographie, Sozialwissenschaften

2.2. die umfassende Überarbeitung der Lehramts-Studiengänge im Land Berlin und an der HU
2.3. die ersatzlose Abschaffung der Regelstudienzeit
2.4. die Möglichkeit der Verlängerung der Regelstudienzeit für Bachelorstudiengänge auf acht Semester bei Beibehaltung der ursprünglichen Regelstudienzeit des Masterstudiums

  • AS 50/2010 (Empfehlung)

2.5. die ersatzlose Abschaffung von Anwesenheitskontrollen

  • Aussetzung von Anwesenheitslisten im WiSe 2009/10

2.6. die ersatzlose Abschaffung von Zwangsberatung
2.7. keine Zwangsexmatrikulationen aufgrund von
2.7.1. nicht erfüllten Auflagen bei noch bestehenden Zwangsberatungen
2.7.2. dreimaliger nicht bestandener Prüfung
2.7.3. ausgelaufenem 'Vertrauensschutz' für Magister- und Diplomstudiengänge

  • AS 45 neu/2010

2.8. keine Genehmigungen von Prüfungsordnungen, die Funktionsstörungsatteste zulassen
2.9. die ersatzlose Abschaffung aller Maluspunkteregelungen

  • AS 30/2010

2.10. Rechenschaftsberichte der Institute bei hohen Abbrecher_innenquoten

  • AS 34/2010

2.11. die unkomplizierte Zulassung zu hochschulübergreifenden Studiengängen innerhalb Berlins und zwischen Berlin und Potsdam sowie die Anrechenbarkeit von an diesen Hochschulen erbrachten Studienleistungen

  • AS 35/2010 (Einsatz der HU in Verhandlungen mit anderen Universitäten)


[Bearbeiten] 3. Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen durch höhere oder anders verteilte Investitionen

Das Verhältnis von Lernenden und Lehrenden an den deutschen Hochschulen hat sich seit den 70-er Jahren zunehmend verschlechtert. Durch eine stärkere Strukturierung des Studiums wurden Betreuungsdefizite im Zuge des Bologna-Prozesses auszugleichen versucht: von einem universitären Bildungssystem größtmöglicher Freiheit hin zu verschulten, strengstens strukturierten Studiengängen. Die Studierendenzahlen sind gestiegen, die Anzahl der Professor_innen und Lehrenden ist gesunken. Bildung soll möglichst effizient sein: geringste Kosten bei maximalem Nutzen. Unter dem Paradigma der unternehmerischen Universität ist es nicht verwunderlich, dass ein Master heute nicht den Regelstudienabschluss darstellt. Die individuelle und umfassende akademische Bildung im Sinne der Gemeinschaft tritt hinter die effiziente Ausbildung ökonomisch verwertbaren Durchschnitts zurück.
Bessere Betreuung sollte die übermäßige Strukturierung unnötig machen - Orientierung sollte durch Menschen gegeben werden, nicht durch Strukturen. Da heute bereits 80% des Haushalts der HU personalgebunden sind, ist eine Umverteilung der Mittel nicht ausreichend. Das Land Berlin muss mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um die Lehre zu verbessern.
Im Besonderen heißt das:


3.1. Erhöhung der Studienplatzkapazitäten
3.2. freier Zugang zum Baechelor
3.2. freier Zugang zum Master; Master als Regelabschluss
3.4. Erhalt aller derzeitigen Lehrstühle
3.5. Ausbau des Lehrangebots und die Erweiterung des Fächerangebots
3.6. Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau, u.a. durch
3.6.1. Schaffung neuer Lehrstühle
3.6.2. Einrichten neuer Stellen, v.a. Vollzeitstellen, im akademischen Mittelbau
3.6.3. Einrichten weiterer Tutor_innenstellen
3.6.4. Angebot von Sprachtutorien für ausländische Studierende
3.7. Schaffen von neuen Lehrräumen
3.8. faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung von Lehrbeauftragten und Dienstleistenden
3.8.1. keine unbezahlte Lehre, auch nicht im Kaskadenmodell (lediglich durch Credit Points „bezahlte“ Lehraufträge für Masterstudierende)
3.8.2. keine prekären Beschäftigungsverhältnisse
3.9. Entlastung der Lehrenden und Lernenden von Verwaltungstätigkeiten durch Einrichten und Ausbauen von Verwaltungsstellen
3.10. Verbesserung des Zugangs zu Räumen für Studierende
3.10.1. mehr Arbeitssäle und arbeitsräume für Gruppenarbeiten wie bspw. Referatsvorbereitungen

  • AS 43/2010 (vereinfachter Zugang für Studierende zu nicht belegten Seminarräumen)

3.10.2. mehr Ruheräume
3.10.3. mehr studentisch verwaltete Räume
3.10.4. ein studentisch verwalteter Raum für mind. 300 Personen

  • AS 43 c neu/2010 (ab 2011 studentische Räume in der Ziegelstraße, bis dahin kurzfristige Lösung)

3.10.5. Erhalt kostenloser Fachschaftsräume
3.10.6. einfacher Zugang für studentische Initiativen zu Räumen der Universität – Vorrang vor externen Interessent_innen
3.10.7. keine Einführung des 'Mieter-Vermieter-Modells'

  • (verankert in den Berliner Hochschulverträgen)

3.11. Verbesserung der Bedingungen in den Universitätsbibliotheken
3.11.1. Barrierefreiheit im Grimm-Zentrum

  • Zusicherung des Präsidenten in der VV vom 26.11.2009 sowie in der Sitzung des AS vom 08.12.2009

3.11.2. mehr Sitzplätze im Grimm-Zentrum
3.11.3. Verlängerung der Öffnungszeiten bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Angestellten und studentischen Hilfskräfte durch Zahlung tariflich vereinbarter Spät- und Nachtzuschläge
3.11.4. Erweiterung des Präsenzbestands und Anschaffung zusätzlicher Dubletten
3.11.5. Senkung der Kopier- und Druckkosten in der Universität und den Bibliotheken auf den Selbstkostenpreis
3.12. Aufrechterhaltung des Fakultätsstatus’ der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät und Erhalt des Versuchsstandortes Berge
3.13. keine Kürzungen bei Chor und Orchester; Ausfinanzierung des musikalischen Angebots

[Bearbeiten] 4. Demokratisierung der Universität

Die Universität als Einrichtung des gemeinschaftlichen Lernens, Lehrens und Forschens stellt einen wichtigen Ort des gesellschaftlichen Lebens dar, an dem viele verschiedene Interessen aufeinander treffen. Sie hat einen komplexen Verwaltungsapparat und ein vielschichtiges Entscheidungssystem. In den entscheidungsbefugten Gremien der akademischen Selbstverwaltung ist die Studierendenschaft stark unterrepräsentiert, obwohl sie die weitaus größte Interessen- bzw. Statusgruppe an der Universität bildet. Hieraus folgt insbesondere die völlig inakzeptable Situation, dass die Professor_innenschaft allein die anderen Statusgruppen in allen maßgeblichen Gremien überstimmen kann. Somit herrschen undemokratische Strukturen in einer Bildungseinrichtung, die Menschen vielseitig und tiefgründig bilden und zu verantwortungsvoller, kritischer Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs befähigen soll.
Dies ist für uns nicht hinnehmbar, weil Studierende somit nur über minimale Mitbestimmung bei der Ausgestaltung des universitären Lebens und damit ihrer Bildung verfügen. Sie laufen Gefahr, nur noch Lehrinhalte zu konsumieren und zu reproduzieren, anstatt diese kritisch und kreativ zu reflektieren und weiterzudenken. Wir fordern daher die umfassende Demokratisierung der Hochschule, um gerechte Mitsprache für alle am Universitätsalltag Beteiligten zu ermöglichen. Daher fordern wir:


4.1. Einführung der Viertelparität in allen akademischen Gremien, in denen derzeit eine professorale Mehrheit besteht
4.2. nach Statusgruppen rotierende Moderation in allen akademischen Gremien
4.3. politisches Mandat für die Studierendenschaft
4.4. universitätsweite Einführung einer veranstaltungsfreien Zeit von wöchentlich mindestens vier Stunden zur Teilnahme und Mitarbeit in universitären Gremien

  • AS 36/2010

4.5. Anrechenbarkeit von Mitarbeit in Gremien der akademischen Selbstverwaltung und in Fachschaften als Workload, äquivalent zu Studienleistungen

  • AS 31/2010

4.6. Transparenz der universitären Organisation, d.h.
4.6.1. mehr Transparenz in allen Verhandlungen, die die Universität betreffen, durch
.6.1.1. Veröffentlichung der Ergebnisse an zentraler Stelle, auch an den einzelnen Instituten, sowie in Newslettern und auf schnell zu erreichenden Seiten der Homepage www.hu-berlin.de;
4.6.1.2. Darstellung der Zusammensetzung der verantwortlichen Gremien und Arbeitsgruppen sowie ggf. Bekanntgabe der beteiligten Personen
4.6.2. Veröffentlichung aller universitätsinternen Evaluationen (z.B. Lehre, Gleichstellung, Barrierefreiheit, Ausstattung) an ebenfalls zentralen und leicht zugänglichen Stellen
4.6.3. Einrichten einer Informationstafel im Foyer des Hauptgebäudes
4.6.3.1. diese soll über die Arbeit der Gremien der universitären Selbstverwaltung sowie über den Stand wesentlicher Verhandlungen und Prozesse berichten, wie z.B. über Abläufe im Rahmen der Exzellenzinitiative oder der Hochschulvertragsverhandlungen sowie über Fortschritte bei Überarbeitung der BA-Studiengänge
4.6.3.2. solche Informationstafeln sollen auch an den einzelnen Instituten über die entsprechende Arbeit informieren
4.6.4. die Umstrukturierung der Homepage derart, dass
4.6.4.1. sämtliche das universitäre Leben bestimmende Neuigkeiten – nicht nur jene von öffentlichem Interesse – bereits auf der Startseite (oder aber auf einer über die Startseite erreichbaren „News-Seite“) bekannt gegeben werden
4.6.4.2. Informationen zur akademischen Selbstverwaltung leicht zugänglich sind und an zentraler Stelle eine Einführung in die Gremienstruktur der HU angeboten wird
4.6.5. Transparenz aller Drittmittelprojekte nach Geldgeber_innen, Summe und Verwendungszweck

  • (Treffen mit dem Präsidium und dem Referat Öffentlichkeitsarbeit steht noch aus)


[Bearbeiten] 5. Leben an der Universität

EEine autonome Universität braucht selbstständige Individuen. Sie muss mehr sein als ein Ort der Wissensvermittlung und -verwertung. Die Universität soll in unseren Augen vielmehr den Raum für die freie Entfaltung des autonomen Menschen bieten und eine Atmosphäre schaffen, in der ungestörte und umfassende Bildung möglich ist. Wir glauben, dass dies eine Umgebung sein muss, in der die oder der Einzelne sich frei nach eigenen Interessen und Lebensentwürfen entfalten kann. Daher fordern wir, sie vor wirtschaftlichen Profitinteressen und politischer Vereinnahmung zu schützen.
Wir fordern eine Universität, die Verantwortung für ihre Umwelt übernimmt, die Lebens- statt nur Lernort ist sowie jeder und jedem Einzelnen Freiraum zu Bildung und persönlicher Entfaltung bietet.
Das heißt:

5.1. Verbot von Werbung und kommerziellen Ständen auf dem Universitätsgelände
5.2. mehr Unterstützung für studierende Eltern durch Umsetzung und stetige Erweiterung der Zielvereinbarungen des Audits „familiengerechte Hochschule“, insbesondere

5.2.1. Beibehaltung der studentischen Strukturen und Angebote
5.2.2. Einrichtung einer Kindertagesstätte

  • AS 32/2010

5.3. Umweltschutz, Nachhaltigkeit, soziales Bewusstsein
5.3.1. ausschließlicher Bezug von Strom aus regenerativen Energiequellen
5.3.2. Angebot von veganem Essen in der Mensa
5.3.3. Angebot von fair gehandeltem Essen in der Mensa 5.4. Bereitstellung von Mitteln zur kritischen Reflexion der eigenen Entmündigung durch Institutionen, um Autonomie und wissenschaftliche Verantwortung der Studierenden zu verankern und dem gesellschaftlichen Scheitern entgegen zu wirken
5.5. Bereitstellung von zinsfreien Darlehen für alle Bedürftigen durch die HU, um finanziell schlechter gestellte Studierenden vor zusätzlicher Verschuldung durch Alternativlosigkeit zu verzinsten Darlehen zu schützen
5.6. frei zugängliche und gebührenfreie Gasthörer_innenschaft


[Bearbeiten] 6. Protestteilnehmer_innen und Besetzer_innen des Audimax

Die Bildungsprotestbewegung richtet sich mit ihren Forderungen und ihrer Zielsetzung auf einen aktiven Veränderungsprozess des Bildungssystems. Der Protest bedient sich unterschiedlicher Aktions- und Äußerungsformen, die in ihrer Kreativität und Heterogenität sowohl die momentane Lage kritisieren, als auch aktiv Handlungs- und Veränderungsmöglichkeiten aufzuzeigen versuchen. Allen unterschiedlichen Protestformen liegt die Maxime der Gewaltfreiheit zu Grunde.
Unter Berücksichtigung dieser spezifischen Ausrichtung fordern wir:

5.1. keine Repressionen seitens der Universität gegen Protestteilnehmer_innen, insbesondere keine Strafanzeigen und keine Benachteiligungen im Studienalltag

  • (wurde vom Präsidium in einem Gespräch am 19.11.2009 zugesichert und eingehalten)



Stand: 07.06.2010

[Bearbeiten] PUNKTE ZUR WEITEREN DISKUSSION

  • Zulassungsverfahren
  • Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf Lehrinhalte, Studienstrukturen, Auswahl von Personal
  • Erprobungsklausel
  • Mensa für Adlershof


[Bearbeiten] KOMMENTARE

zu 1.1.2. zusätzlich zu BZQ
[Anm.: versteht sich von selbst]
zu 1.3. fakultatives Beratungsangebot schon im Vorfeld von Problemen
[Anm.: gibt es bereits]
zu 1.4. Abschaffung von jeglichen Zwangsexmatrikulationen
[Anm.: wir lehnen dies ab, da es Fälle gibt, in denen Zwangsexmatrikulationen generell rechtfertigbar sind, z.B. bei Gewalttaten an der Uni oder auch bei Ende des Studiums] zu 1.6. jährliche Evaluation nach Abbrecher/Prof
[Anm.: kommt vermutlich in den Erklärungstext]


zu 2.1. Abschaffung der NCs
[Anm.: das Thema Zulassungsbeschränkungen wird weiterhin von uns diskutiert]
zu 2.2. zügige Besetzung der vakanten Stellen
[Anm.: kommt in Erklärungstext]
zu 2.4. Vielfalt erhalten und erweitern
[Anm.: ist inbegriffen]
zu 2.8. und Fortsetzen des Stud. Tarifs statt Werkverträgen
[Anm.: kommt in Erklärungstext]
zu 2.8.2. 24/7 wie bsw. in Freiburg, länger als 24Uhr?
zu 2.8.3. Digitalisierung aller Bestände
zu 2.9.1. alle Zweigbibliotheken 10-24 Uhr offen - Angestellte? - Nachtzuschlag?
zu 2.9.6. Nicht-Einführung anstelle von Abschaffung
[Anm.: danke für den Hinweis! die Einführung ist wohl bisher nur probehalber geschehen, wurde geändert]


zu 3.1. bei der Unileitung, student. Verwaltung
zu 3.1. universitäre Entscheidungsprozesse nur durch Räte aus Stundent_innen - Selbstverwaltung!
[Anm.: nicht mehrheitsfähig im Plenum, da die Forderung nach Abschaffung der Statusgruppen bereits abgelehnt wurde - außerdem ist es unserer Meinung nach nicht sinnvoll, da wir denken, dass am demokratischen Prozess alle Interessengruppen gleichermaßen stimmberechtigt teilnehmen können sollten]
zu 3.2. reicht es nicht zu sagen, dass Diskriminierung abgeschafft werden soll?
[Anm.: kann denn ein gesellschaftliches Phänomen einfach so "abgeschafft" werden? vielmehr erfordert es doch den Einsatz aller, daran zu arbeiten, dass Diskriminierung nicht geschieht - ein einfaches "Verbot" bringt unserer Meinung nach gar nichts]

zu 4.1.5. Mit Eurer bisherigen Bezeichnung stigmatisiert Ihr die von Euch gemeinten Menschen durch die Reduzierung auf vermeintliche Einschränkungen (defizitäre medizinische Sichtweise). Mein Vorschlag: Mit der Bezeichnung "Menschen mit sogenannter geistigen und körperlichen Behinderungen" würdet Ihr betonen, dass Behinderungen an einen sozialen Kontext gebunden sind und Bezeichnungen stigmatisierend wirken.--Simon 21:43, 11. Dez. 2009 (CET)
zu 4.2. Freiraum schaffen + Systemkritik üben - wichtig!
zu 4.3.X NEU Ausschließliche bzw. bevorzugte Nutzung nachwachsender Rohstoffe, Bezug von Holzprodukten aus nachhaltiger und nachwachsender Produktion--Simon 21:43, 11. Dez. 2009 (CET)
zu 4.3.1. kostet und bindet Geld, das die Unis sowieso nicht haben - unrealistisch
zu 4.3.1. Unis als Vorbild, nicht hintendran - wir machen die Welt in der wir leben wollen
zu 4.4. wichtig!


neu. ausreichend große Mensa in Adlershof - humane Preise
neu. Finanzierung der halben Stelle der Fachdidaktik der Lehramtsstudierenden an der LGF
neu. Deutschland abschaffen, Kommunismus herstellen
[Anm.: wir finden nicht, dass diese Forderung hier reingehört, da wir uns in diesem Forderungskatalog ziemlich spezifisch nur auf die Verbesserung der Situation an der HU konzentrieren - weitergehende Kritik am Bildungs- und/oder Gesellschaftssystem behandelt die AG Gesellschaftskritik]
neu. Aufbau einer Schüler_innen- und Student_innen-Gewerkschaft
neu. Abschaffung des Präsidentenamtes
neu. Finanzierung durch Besteuerung der Reichen
neu. Abschaffung des BA/MA-Systems

zur Idee Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf Lehrinhalte, Studienstrukturen, Auswahl von Personal:
Problematik Ausschluss unerwünschtem Lobbyismus betreff Forschung & Lehre: privatwirtschaftliche (Verbände wie BDI, Unternehmen/Konzerne) und staatliche (Bundeswehr.BND etc.); nicht alle Stiftungen haben ein gemeinnütziges Ziel (siehe CHE - Bertelsmann), unklare Definition "Drittmittel" / Viertmittel(?), ABER: erwünschte Forschungsaufträge von gemeinschaftlich orientierten Organisationen wie Gewerkschaften oder sozialen Trägern.
Unter Punkt 5 der Bundesweiten Forderungen der AG Gesellschaftskritik und Forderungen haben wir versucht, dies so anzugehen:

"Mitbestimmung und Kontrolle über die Einflussnahme durch Lobbyismus
Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im öffentlichen Bildungsbereich: Die Privatisierung der Bildungseinrichtungen wie durch das CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) muss rückgängig gemacht werden. Über die Drittmittelfinanzierung von Forschung und Lehre muss unter viertelparitätischer Einbeziehung von Studierenden abgestimmt und regelmäßig evaluiert werden."--Simon 21:23, 11. Dez. 2009 (CET)


Stand: 04.12.2009

[Bearbeiten] ERKLÄRUNGSTEXTE ZU DEN FORDERUNGEN IM KATALOG

1.1.1.

Die Arbeitsbelastung in den neuen modularisierten Bachelor- und Master-Studiengängen ist signifikant höher, als sie es in den entsprechenden "klassischen" Diplom-, Magister- und Staatsexamens-Studiengängen war. Die Studierenden haben ein enormes Pensum an Leistungen zu erbringen, angefangen bei der Anwesenheit und "aktiven" Teilnahme bei Vorlesungen und Seminaren, über Hausaufgaben, Referate und Essays, bis hin zu Klausuren und Modulabschlussprüfungen. Der Druck, der aus dieser hohen Belastung resultiert, muss wieder aus dem Studium genommen werden, um Studierende nicht zu Lernmaschinen verkümmern und "Bulimielernen" gar nicht erst aufkeimen zu lassen. Die Studierenden brauchen die Möglichkeit zu einem individuellen und selbstbestimmtem Studium, um Freude am Lernen erlangen, erhalten und diese an andere weitergeben zu können. Nur so kann unsere Gesellschaft dem feuilletonistischen Titel der "Wissensgesellschaft" sinnvoll gerecht werden und ihn letzten Endes in "Bildungsgesellschaft" umbenennen.--Hannes 21:34, 5. Dez. 2009 (CET)


1.1.2.

Als Urform aller Akademien und Hochschulen der Neuzeit kann die von Platon im 4. Jahrhundert v.u.Z. gegründete "platonische Akademie" oder "Schule von Athen" bezeichnet werden. Diese war für Lehrende und Lernende Studien-, Forschungs- und Lebensort zugleich und sah alle zu dieser Zeit gelehrten Disziplinen als wichtig für die Bildung des zur "Vernunfterkenntnis" befähigten Menschen an. Ein ähnliches Ideal vertraten später auch die Römer, die "sieben freie Künste" als Grundlage für die Bildung des "freien" Menschen ansahen. Erst nach dem Studium dieser "artes liberales" wurde eine spezifische Studienrichtung eingeschlagen. Dieses Prinzip lässt sich auch heute noch in einigen Hochschulen, v.a. in den USA, mit der Betitelung "liberal arts college" wiederfinden. Natürlich hat sich die Wissenschaft im Laufe der Jahrhunderte in unermesslich viele Teilbereiche aufgespalten, in welchen enorme Mengen an Wissen und Informationen zusammengetragen wurden. Dass es für die Beherrschung dieser einzelnen Disziplinen spezialisierte Menschen braucht ist fraglos. Trotzdem glauben wir, dass ein spezialisierter Mensch, dem die grundlegende Bildung fehlt, über seinen fachlichen Tellerrand zu blicken, nicht das Ideal ist, an welchem es sich auszurichten lohnt. Ein "Modul Wahlfreiheit" kann uns daher helfen, universelle Bildung für alle Studierenden zu ermöglichen und darüber hinaus auch helfen, interdisziplinäre Vorurteile einzudämmen.
--Hannes 21:34, 5. Dez. 2009 (CET)


1.1.3.

Die neuen modularisierten Studiengänge haben vor allem eines gemeinsam: sie zeichnen sich durch ihre geringe Flexibilität innerhalb der Module aus, was in einer großen Verschulung und damit verbundener Vorbestimmtheit des Studiums mündet. Dies bedeutet, dass die einzelnen Module zumeist wenig oder keine Wahlmöglichkeiten über Lehrveranstaltungen zulassen, woraus für viele Studierende ein fester "Stundenplan", wie aus der Schule bekannt, resultiert. Die Folge ist ein vorbestimmtes Studium, das sich eigenmächtig nur wenig beeinflussen lässt. Doch nicht nur innerhalb, auch zwischen den Modulen ist die Möglichkeit der Einflussnahme durch die Studierenden zu gering. Weil bestimmte Module vor anderen absolviert werden müssen, was nur in wenigen Fällen wirklich sinnvoll ist, ist also neben den einzelnen Lehrveranstaltungen auch noch die Reihenfolge ihrer Belegung oftmals präzise vorbestimmt. Dass dies all jenen Studierenden, die bestimmte Veranstaltungen aus Neigungen oder Interessen zu einem von ihnen selbst festgelegten Zeitpunkt besuchen möchten, einen erheblichen Dämpfer versetzt, dürfte auf der Hand liegen. Es kann aber auch zu enormer Frustration führen, wenn ein Modul in einem bestimmten Semester nicht angeboten wird, weil es gerade nicht im "Stundenplan" vorgesehen ist, die Studierenden aber zu genau diesem Zeitpunkt z.B. nach einem Auslandssemester dessen Belegung anstreben. Wir fordern daher weitreichende Flexibilität innerhalb der und zwischen den Modulen, auch um Wechsel auf andere Hochschulen zu erleichtern und niemanden mit "Belegungszwang" an die Uni zu binden. --Hannes 21:56, 5. Dez. 2009 (CET)


1.1.4.

Die neuen modularisierten Sudiengänge lassen vor allem eines nicht: Spielraum für individuelle Entwicklung von Gedanken und Entfaltung von Kreativität. Dies ist darin begründet, dass alle benoteten Prüfungsleistungen, begonnen bei der ersten Hausarbeit oder Klausur in die Endnote eingebracht werden müssen. Dies erzeugt einen Dauerstress unter den Studierenden und lässt sie das Hauptaugenmerk nicht auf das Lernen von interessanten Sachverhalten und ihre persönliche Bildung, sondern auf das stupide Ansammeln von Noten richten. Dieses Prinzip hält die Studierenden nicht nur davon ab, sich vor der Vertiefung ein umfassendes Bild ihres eigenen Faches zu verschaffen, sondern auch davon, in andere Fächer "hineinzuhören" und somit einen universellen Blick zu entwickeln. Sie sind dazu gezwungen nur das zu lernen, was ihnen als Prüfungsleistung abverlangt wird und stehen gleichzeitig unter dem Druck stets Höchstleistungen zu erbringen. Dies kann und darf von keinem Menschen verlangt werden! Daher fordern wir zumindest die Möglichkeit, nicht alle Prüfungsnoten in die Endnote einbringen zu müssen. Vorstellbar wäre auch, zusätzlich das erste Fachsemester generell unbenotet zu lassen und es als Probephase zu verstehen, in der die Studierenden sich einen ersten Überblick über die Disziplin verschaffen und entscheiden können, ob ihnen das Studium liegt oder ob sie lieber auf ein anderes Fachgebiet umschwenken möchten. --Hannes 22:52, 5. Dez. 2009 (CET)

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