Gesellschaftskritik und Forderungen

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Über die Arbeitsgruppe

"Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht."

Ulrike Meinhof Biografie1lBiografie2


Liebe Interessierte,

hier entsteht die Präsenz der Arbeitsgruppe Gesellschaftskritik und Forderungen. Wir sind der Meinung, dass der "Bildungsstreik" nicht nur auf die miserablen Studienbedingungen aufmerksam machen soll, sondern auch auf Sozialabbau im allgemeinen. Wir solidarisieren uns mit allen vom Sozialabbau Betroffenen und streben eine gemeinsame Bewegung gegen Bildungs- und Sozialabbau an.

Die Arbeit und die daraus entstehenden Publikationen können nur die Meinung der bisher an den Schriften Beteiligten widerspiegeln. Sie ersetzen keine Diskussion.

Die hier publizierten Texte sind dazu gedacht, von allen weiterverwendet zu werden.

Solidarische Grüße

AG Gesellschaftskritik

[Bearbeiten] Aktuelle Termine

Vollversammlung der Studentenschaft am Donnerstag, den 28. Januar 2010 , 16.00 Uhr im Audimax der HU

Antrag an die VV auf Verabschiedung eines Forderungskataloges als PDF

Forderungskatalog, in der VV verabschiedet

[Bearbeiten] Aktuelle Projekte

- Ausbau und Überarbeitung des bundesweiten Forderungskataloges

- Artikel zum Thema "Segregation & Inklusion"

[Bearbeiten] Kontakt & Mitarbeit

unsere.hu.forderungen.allg [_at_] googlemail.com

[Bearbeiten] Veranstaltungen

Mittwoch, 9. Dezember 2009, Audimax: Film- und Diskussionsabend zum Bedingungslosen Grundeinkommen mit Ralph Boes (Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V.).

[Bearbeiten] Bundesweite allgemeine Forderungen

[Bearbeiten] Präambel

Die vorliegende Präambel wurde in der Vollversammlung der Studierendenschaft der HU am Mittwoch, den 6. Januar 2010 bei zwei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen angenommen.


G e g e n B i l d u n g s - u n d S o z i a l a b b a u

Präambel

"Wir müssen sparen bis es quietscht!" ― Schon seit Jahren leiden die Berliner_innen unter den Folgen der Sparpolitik des Berliner Senats und der Bundesregierung. Wir, die Studierenden der Humboldt-Universität, wenden uns vehement gegen Kürzungen im Bildungs- und Sozialbereich.

Diesen Kürzungen liegt eine Politik der Entsolidarisierung und sozialen Ausgrenzung zugrunde, die alle Bereiche des Lebens zunehmend an marktwirtschaftlichen Verwertungskriterien, der sogenannten internationalen Wettbewerbsfähigkeit, ausrichtet. Durchgängiges Argument für immer weiterreichende Kürzungen ist, dass "kein Geld da ist" und "wir sparen müssen".

Die Folgen dieser Politik sind dramatisch: Im Jahr 2006 gab die Bundesrepublik Deutschland nur 4,8 % des BIP für Bildung aus und liegt damit in einem OECD-Vergleich von 28 Staaten an 24. Stelle.

Was politisch gewollt ist, wird auch finanziert. Seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008 stellte die Bundesregierung Bürgschaften in Höhe von rund 500 Mrd. € für angeschlagene Banken zur Verfügung, davon rund 10 Mrd. € für die Rettung der Hypo Real Estate. Die Kosten für die sogenannte Umweltprämie belaufen sich auf rund 5 Mrd. €, die des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan im Jahr 2009 auf rund 800 Mio. €.

Geld und Lösungsansätze sind vorhanden. Die Investitionen und die inhaltliche Ausgestaltung des Sozial- und Bildungswesens müssen zum Wohle aller geschehen. Die Grundsätze hierfür sind Gleichheit, Solidarität, gegenseitiger Respekt und Vertrauen.

Auch wenn sich unsere Forderungen vor allem auf Studierende beziehen, solidarisieren wir uns weltweit mit Schüler_innen, Auszubildenden, Erwerbslosen, Sozialhilfeempfänger_innen, Asylbewerber_innen und allen anderen vom Sozialabbau Betroffenen.

Wir wollen eine gemeinsame Bewegung gegen Bildungs- und Sozialabbau!

Praeambel als PDF

[Bearbeiten] Bildungsansatz

Der Begriff Bildung wird oft mehrdeutig und als Schlagwort vielfältig verwendet. Wir meinen mit dem Begriff Bildung den Erwerb von Wissen und Fähigkeiten als einen lebenslangen Prozess.

Das momentane Bildungssystem ist von Selektion, Leistungsdruck, Pflichten und Zwängen geprägt. Der eigene Wille, Interesse und potentielle Fähigkeiten werden nur wenig berücksichtigt. Die Lust am Lernen wird dabei unterdrückt, weil sie nicht vorausgesetzt wird. Den Menschen wird nicht zugetraut, ihre Zukunft selbst gestalten zu können. Im Gegenteil, bereits Kinder werden auf Schulen geschickt, wo ihnen die Fähigkeit abgesprochen wird, selbständig zu entscheiden. Das Ziel dieser Form von Bildung ist Menschen an das System anzupassen und darauf vorzubereiten, innerhalb der Gesellschaft zu funktionieren. Sie sind dann wie ihre Vorgänger_innen nur „Another brick in the wall.“(Pink Floyd)[1]

Der Mensch ist von Geburt an neugierig auf die Welt und auf zukünftige Herausforderungen. Statt durch einengende und repressive Institutionen normiert zu werden, darf der Mensch auf dem Weg seiner Selbstentfaltung nicht gehindert werden. Bildungseinrichtungen müssen als Lernorte für alle zugänglich sein und miteinander gestaltet werden.

Ein ideales Lernklima ist geprägt von Freude am Lernen, am Forschen und Ausprobieren. Fehler und deren Überwindung werden als wichtiger Bestandteil des Lernprozesses angesehen und stellen einen Erkenntnisgewinn dar. Der Mensch kann nur für sich selbst feststellen, ob er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Dabei kann es hilfreich sein, sich mit anderen auszutauschen und ihre Rückmeldungen zu berücksichtigen.

Menschen bestimmen selbst wo, was, mit wem und wie sie lernen möchten, sofern sie dabei niemand anderen in seiner/ihrer Freiheit einschränken.

Die Basis unseres Bildungsansatzes stellt das Recht auf Chancengleichheit dar. Die soziale Herkunft darf nicht ausschlaggebend für den Zugang zu Bildung sein.

[Bearbeiten] Soziale Öffnung des Bildungssystems

1.1 Umsetzung des Rechts auf Bildung wie es in der UN-Menschenrechtscharta (Artikel 26) verankert ist:
1.1.1 Freier und unentgeltlicher Zugang zu allen öffentlichen Kindertagesstätten und Bildungseinrichtungen
1.1.2 Keine staatliche Finanzierung privater Hochschulen
1.1.3 finanzielle Unabhängigkeit der Schüler_innen und Studierenden durch ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle
1.1.4 Abbau von Zulassungsbeschränkungen zu den Studienplätzen
1.1.5 Nachfragegerechte Erhöhung der Studienplatzanzahl in den einzelnen Studienfächern
1.2 Abschaffung institutionalisierter Diskriminierung wegen des Geschlechtes, der Abstammung, Sprache, Heimat und Herkunft und religiösen oder politischen Anschauungen:
1.2.1 Für eine Wende hin zu pluralistischen Lehr- und Forschungsperspektiven
1.2.2 Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Studierende für die Dauer des Studiums ohne restriktive Auflagen. Ausweitung der kostenlosen Sprachkurse
1.2.3 Barrierefreie Ausgestaltung von Gebäuden
1.2.4 Barrierefreie Gestaltung von Forschung und Lehre
1.2.5 Öffnung und Erweiterung des Lehrangebotes der Universitäten für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung</div>

[Bearbeiten] Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen

2.1 Ausfinanzierung des Bildungswesens:
2.1.1 Aufstockung des Finanzvolumens für den Bildungsbereich auf mindestens zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts
2.1.2 Umschichtung der Finanzen innerhalb des Bildungssystems – gerechte Verteilung.
2.1.3 Beendigung des Wettbewerbs der Universitäten untereinander. Zurückfahren des Elitestatus von Universitäten. Hinterfragung der Aussagekraft von Rankings
2.1.4 Gleiche Wertigkeit von Forschung und Lehre statt einseitiger Exzellenzinitiativen. Förderung aller Studierenden statt einseitiger Elitenbildung. Abkehr von marktwirtschaftlichen, auf ökonomische Verwertbarkeit ausgerichtete Studiengänge und der Übervorteilung einiger weniger Studiengänge. Kein Rückbau sogenannter "Orchideenfächer". "Eine Evolution der Bildung (Forschung und Lehre) ist unmöglich ohne Diversität der Studienfächer" (Elmar Altvater, erem. FU-Professor des Otto-Suhr-Instituts)
2.1.5 Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau: Neuschaffung von mindestens 8000 Professuren, 4000 Mittelbaustellen, 10.000 Tutor_innenstellen in den nächsten drei Jahren
2.2 Unterstützung der Forderungen der Schüler_innen:
2.2.1 "Eine Schule für Alle – Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem"
2.2.2 "Kostenlose Bildung für Alle"
2.2.3 "Mehr Lehrer_innen, kleinere Klassen"
2.2.4 "Beendet den Einfluss der Wirtschaft auf die Schulen!"
2.2.5 "Gegen Schulzeitverkürzung! Kein G8-Abitur!"
2.2.6 "Schluss mit Repressionen gegen Schüler und Schülerinnen"
2.2.7 "Für eine Demokratisierung des Bildungssystems!"
2.2.7.1 Renovierung und Modernisierung von Schulen nach Inklusionspädagogischen Konzepten. Bauliche Umgestaltungen für den gemeinsamen Unterricht. Lernen in Kleingruppen
2.2.7.2 Lehrer_innenausbildung mit dem Schwerpunkt inklusiver Lehrmethoden, wie gemeinsamer Unterricht in heterogenen Gruppen
2.3 Umfassende Akkreditierung aller Studiengänge unter Einbeziehung der Studierenden:
2.3.1 Rückführung der Verantwortung der Akkreditierungen an die Universitäten
2.3.2 Abwicklung der Akkreditierungsagenturen
2.4 Freizugängliche und kostenlose Gasthörerschaften zu Vorlesungen

[Bearbeiten] Demokratisierung des Bildungssystems

3.1 Lehre, Einübung und Praktizierung von Basisdemokratie von der Kindertagesstätte an
3.2 Umfassende Mitbestimmung aller im Bildungssystem Beteiligten in den einzelnen Gremien gemäß der prozentualen Verteilung an den einzelnen Bildungseinrichtungen
3.3 Einführung verfasster Schüler_innen- und Studierendenvertretungen mit politischem Mandat in allen Bundesländern: Vertreter_innen müssen jederzeit an gesellschaftlichen Verhältnissen Kritik üben und politische Forderungen äußern können
3.4 Transparenz in den Entscheidungsprozessen der Gremien und der Verwaltung durch Veröffentlichung sämtlicher Beschlüsse
3.5 Rückübertragung der Verantwortung über die Besetzung von Lehrstühlen an die Universitäten unter Einbeziehung der Studierenden

[Bearbeiten] Mitbestimmung und Kontrolle über die Einflussnahme durch Lobbyismus

4.1 Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im öffentlichen Bildungsbereich: Die Privatisierung von Bildungseinrichtungen, wie sie das CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) betreibt, muss rückgängig gemacht werden. Die Drittmittelfinanzierung von Forschung und Lehre muss unter viertelparitätischer Einbeziehung von Studierenden abgestimmt und regelmäßig evaluiert werden.

[Bearbeiten] Abschaffung von Bachelor und Master in ihrer derzeitigen Form

5.1 Abkehr vom Bachelor als ersten berufsqualifizierenden Studienabschluss:
5.1.1 Keine ausschließliche Ausbildung für bestimmte Berufe
5.1.2 Eröffnung eines breiten Spektrums von Berufsfeldern
5.1.3 Freier Zugang zu Masterstudiengängen
5.1.4 Kein Masterstudium als Zweitstudium
5.2 Rücknahme der Verschulung in den Bachelor- und Masterstudiengängen. Für selbstbestimmtes Lernen:
5.2.1 Erhöhung der Anzahl der Projekttutorien
5.2.2 Mehr Zeit für Selbststudien nach eigenen Interessen
5.3 Abkehr von Pflichten und Zwängen im jetzigen Studienmodell:
5.4 Abschaffung von Zwangsberatungen
5.5 Abschaffung sogenannter Funktionsstörungsatteste. Keine Eingriffe in die Privatspäre
5.6 Abschaffung von Anwesenheitslisten. Für mehr Selbstverantwortung der Studierenden
5.7 Ende der Dauerüberprüfungen (durch ständige Referate, Essays, Exzerpte, Thesenpapiere, Klausuren, mdl. Prüfungen, Hausarbeiten etc.)
5.8 Reduzierung des Arbeitsaufwands
5.9 Ausweitung der Regelstudienzeit des Bachelorstudiums auf acht Semester. Beibehaltung der Regelstudienzeit des Masterstudiums von vier Semestern
5.10 Möglichkeit individueller Schwerpunktsetzung im Studium:
5.10.1 Ausweitung der Wahlpflichtangebote in allen Modulen sämtlicher Studiengänge
5.10.2 interdisziplinäre Ansätze in jedem Studiengang
5.10.3 Wiedereinführung des Studium generale im Umfang von mindestens zehn ECTS
5.11 Tatsächliche Umsetzung der Mobilität zwischen den Hochschulen: unbürokratische Studienortwechsel
5.12 Keine eingeschränkte Anrechnung von bisher erbrachten Studienleistungen
5.13 Vereinheitlichung von Studieninhalten in den Bachelor- und Masterstudiengängen
5.14 Etablierung identischer Studiengänge in allen Bundesländern

[Bearbeiten] Kommentare

Generell:

Um Formulierungstricksereien vorzubeugen: Da wo es sinnvoll ist "ersatzlos" vor Abschaffungen ergänzen, wie z.B. bei 1.1.1 Ersatzlose Abschaffung jeglicher Zulassungsbeschränkungen zu den Studienplätzen. Wir wollen ja wohl nicht, dass irgendwelche Schlaumeier_innen sich neue Reglementierungen ausdenken.

Zu Soziale Öffnung des Bildungssystems:
Abänderung von 1.2 "Abschaffung institutionalisierter Diskriminierung wegen des Geschlechtes, der Abstammung, Sprache, Heimat und Herkunft und religiösen oder politischen Anschauungen:" zu "wie durch Sexismus, Rassismus, Nationalismus, Ableism (engl. für Diskriminierung von Menschen mit sogenannter Behinderung), Homophobie sowie aufgrund von Alter, Religionszugehörigkeit und Weltanschauung"
Abänderung von 1.2.1 "Für eine Wende hin zu pluralistischen Lehr- und Forschungsperspektiven" zu "durch männlich dominierte, heterosexuelle, weiße und eurozentristische Grundannahmen in wissenschaftlichen Diskursen. Diese müssen als solche sichtbar gemacht und kritisch reflektiert werden."
Abänderung von 1.2.2 "Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Studierende für die Dauer des Studiums ohne restriktive Auflagen. Ausweitung der kostenlosen Sprachkurse" zu "gegenüber ausländischen Lernenden: Aufenthaltsgenehmigung für die Länge des Studiums ohne Auflagen, Ausweitung der kostenlosen Sprachkurse"
Zusammenführung von 1.2.3 und 1.2.4 zu "gegenüber Menschen mit sogenannter Behinderung: Barrierefreie Ausgestaltung von Gebäuden; barrierefreie Forschung und Lehre: Kommunikation und Bildungsinhalte müssen barrierefrei gestaltet sein"
Abädnerung von "Öffnung und Erweiterung des Lehrangebotes der Universitäten für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung" zu 1.2.5 "gegenüber Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung: Öffnung und Erweiterung des Lehrangebots für diese"

Zur Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen:
Aufteilung von 2.1.4 "Gleiche Wertigkeit von Forschung und Lehre statt einseitiger Exzellenzinitiativen. Förderung aller Studierenden statt einseitiger Elitenbildung. Abkehr von marktwirtschaftlichen, auf ökonomische Verwertbarkeit ausgerichtete Studiengänge und der Übervorteilung einiger weniger Studiengänge. Kein Rückbau sogenannter "Orchideenfächer". zu 2.1.4 "Gleiche Wertigkeit von Forschung und Lehre statt einseitiger Exzellenzinitiativen. Förderung aller Studierenden statt einseitiger Elitenbildung." und 2.1.5 "Abkehr von marktwirtschaftlichen, auf ökonomische Verwertbarkeit ausgerichtete Studiengänge und der Übervorteilung einiger weniger Studiengänge. Kein Rückbau sogenannter "Orchideenfächer"." Verschieben des Zitates: "Eine Evolution der Bildung (Forschung und Lehre) ist unmöglich ohne Diversität der Studienfächer" (Elmar Altvater, erem. FU-Professor des Otto-Suhr-Instituts) in die Erläuterungsebene über einen internen Wiki-Link.
Streichung von 2.1.2 "Umschichtung der Finanzen innerhalb des Bildungssystems – gerechte Verteilung." Da erstens "gerecht" eine schwammige Beschreibung ist, zweitens die gerechte Ausgestaltung aus unseren anderen Forderungen nach mehr Lehrerstellen usw. hervorgeht.
Streichung von 2.2.2 "Kostenlose Bildung für Alle" Dieser Punkt ist bereits durch die Forderungen unter 1.1 gedeckt.
Streichung von 2.2.4 "Beendet den Einfluss der Wirtschaft auf die Schulen!" Dieser Punkt ist bereits mit 4 "Mitbestimmung und Kontrolle über die Einflussnahme durch Lobbyismus" abgedeckt.
Streichung von 2.2.7 "Für eine Demokratisierung des Bildungssystems!" Diese Forderung wird mit Punkt 3 "Demokratisierung des Bildungssystems" näher erläutert.
Neu: "Ersatzlose Abschaffung von Leistungsvergleichen"
Neu: "Hochschullehrer_innenausbildung nach modernen didaktischen Prinzipien"
Neu: "Ersatzlose Abschaffung von Schulpflicht und sonstigen Anwesenheitspflichten" Menschen lernen aus eigenem Antrieb, aus Neugierde. Jede Verpflichtung bedeutet eine Unterdrückung des freien Willens.

Zur Demokratisierung des Bildungssystems:

Ergänzung von "...unter viertelparitätischer Einbeziehung der Studierenden"
Neu: "Ersatz der in den Bildungseinrichtungen dominierenden Strukturen durch basisdemokratische Systeme" Hierarchien, wie an der Universität durch Akademischer Senat, Konzil, Präsidium etc. verschleiert Entscheidungsprozesse und verunmöglicht die direkte und gleichberechtigte Beteiligung aller. Regelmäßige für alle Beteiligten offene Vollversammlungen diskutieren Anträge und stimmen mit mindestens 2/3 Mehrheit über sie ab und fassen so Beschlüsse. Anstatt Gremien können Arbeitsgruppen gebildet und weisungsgebundene Botschafter_innen von Vollversammlungen einberufen werden. Streichung von 3.2, 3.4 ,3.5

Zur Mitbestimmung und Kontrolle über die Einflussnahme durch Lobbyismus:

Neu: "Trennung von Kirche und Staat: Abschaffung von kirchlichen Einfluss wie durch Konkordate auf die Bildung" Konkordate bezeichnen i.A. Verträge zwischen Staaten und der röm. kath. Kirche. Bezüglich der (staatlichen) Hochschulen gibt es Verträge, die die Einflussnahme der Kirche auf Lehrstühle regelt. Konkordatslehrstühle: Sind Lehrstühle (ausserhalb der theologischen Fakultäten), in denen Vertreter der Kirche in der Berufungskomission sitzt oder Vetorechte über deren Besetzung hat. Diese sind insbesondere in Bayern vorhanden und gründen wohl auf Verträgen von 1929.
Ich halte das für schlecht und eine sehr krasse Art von Lobbyismus. Inwiefern das auch für Lehrstühle der Theologie zutrifft mag ich nicht beurteilen. Für eine genauere Definition und Auflistung siehe [2] Es gibt auch schon eine (studentische?) Gruppe, die sich mit der Abschaffung der Konkordate beschäftigt [3]. Einen Artikel über die der SZ [4]. Ich hatte auch noch einen besseren Artikel, find ich aber grade nicht. Falls der mir doch zufliegt, sag ich bescheid. --Lorenz D 20:57, 3. Dez. 2009 (CET)

Zur Abschaffung von Bachelor und Master in ihrer derzeitigen Form:

Abänderung von 5.1.4 "Kein Masterstudium als Zweitstudium" zu "Masterstudium als Teil des Erststudiums"
Neu: "Ersatzlose Abschaffung des ECTS-Systems" und Streichung von "in Umfang von mindestens zehn ECTS" unter 5.10.3: Jeder Mensch hat sein eigenes Lerntempo. Ein standardisiertes Punktesystem wie ECTS fußt jedoch auf der Annahme, alle würden gleichviel Zeit für einen Punkt benötigen.
Statt "5.9 Ausweitung der Regelstudienzeit des Bachelorstudiums auf acht Semester. Beibehaltung der Regelstudienzeit des Masterstudiums von vier Semestern" "Ersatzlose Abschaffung der Regelstudienzeit: Jeder Mensch hat sein eigenes Lerntempo und benötigt neben dem Studium Zeit für Erwerbsarbeit, die Familie, soziale Kontakte, Erholung und/oder politisches Engagement, woraus sich eine individuelle Dauer des Studiums ergibt."
Streichung von "5.13 Vereinheitlichung von Studieninhalten in den Bachelor- und Masterstudiengängenund" und "5.14 Etablierung identischer Studiengänge in allen Bundesländern". Sie widersprechen dem Grundsatz "Selbstbestimmtes Lernen". Das Problem der Mobilität ist die bisherige Praxis der Anrechenbarkeit.

[Bearbeiten] Positionspapiere

[Bearbeiten] Freie Bildung für alle!

Datei:Flugblatt - Freie Bildung für alle.pdf

Seit den letzten Jahren beobachten wir eine zunehmende Privatisierung von Bildungseinrichtungen und öffentlichen Dienstleistungen. Die Energie- und Wasserversorgung, wie auch Telekom, Post und öffentlicher Nahverkehr wurden privatisiert. Im öffentlichen Bildungssystem wird zum einen versucht, über Drittmittelfinanzierung Einfluss auf die Bildungsinhalte auszuüben. Zum anderen wurde im Zuge des Ausbaus der EU zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum auch der Bildungssektor als entscheidender Faktor für den europäischen Standortvorteil angesehen und hinsichtlich der wirtschaftlichen Verwertbarkeit reformiert. Das Ergebnis dieses sogenannten Bologna-Prozesses ist die Verschulung der Studiengänge und ihre Ausrichtung auf den Arbeitsmarkt. Mit wirtschaftlichen Denkweisen werden die öffentlichen Institutionen auf Wettbewerb und Profitmaximierung ausgerichtet. Dadurch sehen sich die Menschen zunehmendem Druck ausgesetzt, in diesem System zu funktionieren und verwertbar zu sein. Daraus resultiert, dass die Menschen selbst zum Spielball des marktwirtschaftlichen Nutzendenkens und des Leistungsprinzips werden. Die im Grundgesetz verankerten Rechte auf Teilhabe an der Gesellschaft wie z.B. die Bildungschancengleichheit werden somit schrittweise ausgehöhlt. Manche finden sich daraufhin am Rande der Gesellschaft wieder.

Wir, die Studierenden der Humboldt-Universität, sind Teil der weltweiten "Bildungsstreik"-Bewegung, die in Form von Besetzungen und Demonstrationen für eine Verbesserung der Bildungsbedingungen protestieren. Wir stehen der zunehmenden Privatisierung kritisch gegenüber und stellen unter anderem die Forderung nach sozialer Öffnung aller Bildungseinrichtungen. Wir fordern die Abschaffung jeglicher Zugangsbeschränkungen zu Bildung. Weiterhin fordern wir bessere Lern- und Lehrbedingungen und mehr Mitbestimmung. Wir unterstützen darüber hinaus Forderungen anderer Protestgruppen nach mehr Gerechtigkeit! Dies umfasst unter anderem: Löhne, von denen mensch leben kann! Die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu gestalten, und zwar unabhängig von der sozialen Herkunft! Ein Bildungssystem, das nicht ausgrenzt, sondern allen Menschen ein Recht auf Bildung zugesteht, wie es die UNO in ihrem Bildungsbericht aus dem Jahr 2006 fordert! Wir verstehen Bildung als selbstbestimmtes lebenslanges Lernen und fordern somit bedarfsgerechte Kita-Plätze sowie die Abschaffung des selektierenden dreigliedrigen Schulsystems.

Das Audimax im Hauptgebäude der Humboldt-Universität ist ein von Studierenden besetzter Ort der Basisdemokratie, in dem die Bildungsmisere kritisiert, diskutiert und an die Medien vermittelt wird. Hier werden Forderungen erarbeitet und Protest organisiert. Die Protestbewegung lebt von Deinen Anregungen, Ideen, Kritiken und Deiner Initiative! Komm ins Audimax! Es steht allen offen. Bring Dich ein, sei kreativ, vernetz Dich und gestalte mit!

[Bearbeiten] Der Bildungserfolg darf nicht von der sozialen Herkunft abhängen!

Datei:Bildung Ungleichheit final.pdf


Die Bildungsproteste sind nicht nur eine Kritik am Hochschulsystem


Eine Gesellschaft, die sich dem Prinzip der Chancengleichheit verpflichtet, kann es sich nicht erlauben, einen großen Teil ihrer Mitglieder durch das Bildungssystem zu benachteiligen und auszugrenzen.

Das Recht auf Bildung, wie es in Artikel 26 der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verankert ist, muss in vollem Umfang umgesetzt werden. Es müssen gleiche Bildungschancen für alle geschaffen werden, unabhängig von sozialer Herkunft, Migrationshintergrund, Geschlecht, Alter und sogenannter Behinderung.

Der Zugang zum höchstmöglichen Bildungsabschluss muss für alle gewährleistet werden.


"Bildung für alle"


Das dreigliedrige Schulsystem benachteiligt vor allem Kinder von sogenannten Geringqualifizierten, Alleinerziehenden und Migrant_innen erheblich. Nur eines von fünf Kindern von Nichtakademiker_innen schafft den Sprung an die Hochschule, wohingegen vier von fünf Kindern von Akademiker_innen ein Studium aufnehmen (siehe Grafik).

Die soziale Selektion beginnt nicht erst beim Übergang von der Schule in die nachschulische Ausbildung, sondern schon wesentlich früher. Die PISA-Studie der OECD aus dem Jahr 2006 verdeutlicht, dass die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in der Bundesrepublik im internationalen Vergleich auffallend stark ausgeprägt ist. Die erste große Hürde ist der Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I. Besonders augenfällig ist die Selektion in Bayern. Die Ergebnisse der PISA-Studie von 2006 zeigen, dass in Bayern gerade einmal acht Prozent der Kinder ungelernter oder angelernter Arbeiter_innen ein Gymnasium besuchen (PISA-Studie 2006: 17).


Chancenungleichheit trotz Bildungsexpansion

Trotz der sogenannten Bildungsexpansion, die in den 1970er Jahren eingeleitet wurde (d.h. dass, immer mehr Menschen höhere Bildungsabschlüsse erwerben und länger im Bildungssystem verweilen, vgl Geißler 2006: 274), hat sich die Chancenungleichheit zwischen den sozialen Gruppen nicht vermindert. Bei Schüler_innen, die nach dem Jahr 2000 eingeschult wurden, hat sie sich sogar vergrößert. Die Hauptverlierer_innen der Bildungsexpansion sind Kinder von Arbeiter_innen, deren Bildungschancen sich im Vergleich zu allen anderen Schichten seit 1970 erheblich verschlechtert haben (vgl. Geißler 2006: 285ff).


Chancengleichheit und Leistungsprinzip

Das Argument, das Leistungsprinzip führe zu Chancengleichheit, wird oft zur Rechtfertigung für das dreigliedrige Schulsystem verwendet. Tatsächlich ist nicht nur das Leistungsprinzip Kriterium für den Bildungserfolg, sondern auch die soziale Herkunft. Die Auslese nach Leistung wird bei Kindern aus unteren Schichten ungleich schärfer angewandt als bei Kindern von Akademiker_innen. So sind beispielsweise die Chancen von Kindern aus höheren Dienstleistungsschichten, ein Gymnasium zu besuchen, bei gleichen kognitiven Fähigkeiten fast vier Mal höher als bei Kindern von Arbeiter_innen. (vgl. Geißler 2006: 296) Das Leistungspotential der Kinder aus unteren sozialen Schichten wird nicht ausgeschöpft.

Nach Beendigung der Grundschule entscheiden die Bildungsempfehlungen der Lehrer_innen darüber, welchen weiterführenden Schultyp die Schüler_innen besuchen. Abgesehen davon, dass die Notwendigkeit von Bildungsempfehlungen kritisch zu hinterfragen ist, sind viele falsch. Wird ein Kind auf Grund einer Fehleinschätzung auf ein Gymnasium geschickt, wird dieser Fehler in der Regel korrigiert. Wird jedoch ein Kind aufgrund einer Fehleinschätzung auf eine Hauptschule geschickt, wird dieser Fehler in der Regel nicht korrigiert. Die Durchlässigkeit zwischen den Schultypen ist vor allem eine Durchlässigkeit nach unten. 77 Prozent der Schultypenwechsel sind Abstiege (vgl. PH-Weingarten 2007).

Die Ergebnisse der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000 widerlegen das Argument, gemeinsames Lernen leistungsstärkerer und leistungsschwächerer Schüler_innen müsse mit Niveauverlusten erkauft werden. Die meisten OECD-Staaten, die im Gesamtergebnis überdurchschnittlich gut abschnitten, selektieren ihre Schüler_innen nicht, da sie kein mehrgliedriges Schulsystem haben. Während sich durch gemeinsamen Unterricht leistungsschwächere Schüler_innen deutlich verbessern, sind bei leistungsstärkeren Schüler_innen keine Niveauverluste zu verzeichnen. (PISA-Studie: 2000).

Die UNO kritisiert in ihrem Bildungsbericht aus dem Jahr 2006 einmal mehr die vom deutschen Bildungssystem hervorgerufenen sozialen Benachteiligungen von Schüler_innen. Wir teilen diese Kritik und solidarisieren uns mit den Schüler_innen und mit allen von der Bildungsmisere Betroffenen.


Literatur:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (2007): Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2006. 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch HIS Hochschul-Informations-System. Berlin: http://www.bmbf.de/pub/wsldsl_2006_kurzfassung.pdf (13.12.2009)

Geißler, Rainer (2006): Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung. Wiesbaden.

Pädagogische Hochschule Weingarten (Hrsg.) 2007: Säulen des dreigliedrigen Schulsystems sind veraltet, ungerecht, zukunftsfeindlich und schöpfen die Potentiale der Kinder und Jugendlichen nicht aus. Weingarten: http://www.laenger-gemeinsam-lernen-bw.de/bilder/schule_bw_PH%20Wgt%20Stellungnahme%20Schulsystem%20.pdf (13.12.2009)

PISA – Konsortium Deutschland (Hrsg.) 2002: PISA 2000. Berlin.

PISA – Konsortium Deutschland (Hrsg.) 2008: PISA 2006 in Deutschland. Münster.

Umsetzung der UN-Resolution 60/251. "Rat für Menschenrechte" 2006: http://www.gew.de/Binaries/Binary29288/Arbeits%FCbersetzung_M%E4rz07.pdf (13.12.2009)


Bildungstrichter

[Bearbeiten] Kommentare

Zu Freie Bildung für alle!


Zu Der Bildungserfolg darf nicht von der sozialen Herkunft abhängen!

[Bearbeiten] Artikel zu Bildungspolitik, Bildungs- und Sozialabbau

Macht ohne Mandat - Der Tagesspiegel, 25. September 2006

Sozialverband warnt vor neuer Armut - Der Tagesspiegel, 11. Dezember 2009

Ich brauche Geld - Der Tagesspiegel, 16. Februar 2010

Bund will Lehre im Bachelor-Studium verbessern - Der Tagesspiegel, 17. Februar 2010

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